FAQ Wandfarben innen

FAQ und Glossar für Wandfarben innen

Was sind Innenwandfarben?
Innenwandfarben (inklusive Deckenfarben) werden nur im Innenbereich von Gebäuden eingesetzt und nicht im Aussenbereich. Sie müssen im Gegensatz zu Aussenwandfarben nicht wetterbeständig sein, dafür sind sie in der Regel möglichst emissionsarm rezeptiert, damit keine Emissionen in die Raumluft gelangen. Innenwandfarben weisen üblicherweise eine sehr hohe Pigment-Volumen-Konzentration auf (75 % bis 85 %). Daraus ergibt sich ein porenhaltiger, offener Film mit einer hohen Wasserdampfdiffusionsfähigkeit, der die Wand „atmen“ lässt.
 
Welche Kriterien sind für die Einstufung relevant?
Wichtige Kriterien für Innenwandfarben sind eine gute Verarbeitbarkeit, ein hohes Deckvermögen, eine gute Nassabriebbeständigkeit (Reinigungsfähigkeit) und ein niedriger Gehalt an organischen Lösemitteln (VOC). Darüber hinaus beurteilt man die Umweltfreundlichkeit und die Gesundheitsverträglichkeit der Produkte.
 
Was sagen die Kategorien bei den Innenwandfarben über die Produkte aus?
Die Kategorien A bis E bezeichnen wasserverdünnbare Produkte und die Kategorien F und G lösemittelverdünnbare Produkte.
 
Kategorie A bezeichnet wasserverdünnbare Farben, die aromatenfrei, kennzeichnungsfrei gemäss aktueller Schweizer Chemikaliengesetzgebung und frei von flüchtigen und schwerflüchtigen organischen Stoffen (VOC und SVOC) sind. Darüber hinaus enthalten sie keine sensibilisierenden, stark umweltgefährdende oder CMR-Stoffe. Sie bestehen zu mehr als 95% aus nachwachsenden Rohstoffen und weisen eine sehr gute Gebrauchstauglichkeit auf (Nassabriebbeständigkeit und Kontrastverhältnis besser als Klasse 2). Diese Farben entsprechen damit höchsten Ansprüchen in Bezug auf Umwelt- und Benutzerfreundlichkeit.
 
Kategorie A- bezeichnet Leim-, Lehm- oder Kaseinfarben. Diese Farben zeigen sehr gute ökologische Eigenschaften und entsprechen damit der Kategorie A, allerdings sind Nassabriebbeständigkeit und Deckvermögen nicht hoch genug. Deshalb werden diese Farben in die Kategorie A- eingestuft und die Werte für die Gebrauchstauglichkeit werden nicht berücksichtigt. Leim-, Lehm- oder Kaseinfarben eignen sich gut für wenig beanspruchte Flächen.
 
Kategorie A- kann auch Kalkfarben auszeichnen. Diese werden aufgrund ihrer positiven ökologischen Eigenschaften und ihrer historischen Nutzung trotz der Kennzeichnung mit Gefahren-Symbolen in die Kategorie A- eingestuft, sofern sie alle anderen Kriterien der Kategorie A- erfüllen. Aufgrund ihrer eingeschränkten Gebrauchstauglichkeit eignen sich Kalkfarben ebenfalls nur für wenig beanspruchte Flächen.
 
Kategorie B bezeichnet wasserverdünnbare Farben, die aromatenfrei, kennzeichnungsfrei gemäss aktueller Schweizer Chemikaliengesetzgebung und frei von flüchtigen und schwerflüchtigen organischen Stoffen (VOC und SVOC) sind. Darüber hinaus enthalten sie keine sensibilisierenden, stark umweltgefährdende oder CMR-Stoffe. Sie erfüllen Mindestanforderungen in Bezug auf die Gebrauchstauglichkeit (Nassabriebbeständigkeit besser als Klasse 3 und Kontrastverhältnis besser als Klasse 2). Die genauen Angaben hierfür entnehmen Sie bitte dem technischen Datenblatt der Produkte. Diese Farben zeigen gute Eigenschaften in Bezug auf Umwelt- und Benutzerfreundlichkeit.
 
Kategorie C bezeichnet wasserverdünnbare Farben, die aromatenfrei, kennzeichnungsfrei gemäss aktueller Schweizer Chemikaliengesetzgebung und arm an flüchtigen organischen Stoffen (VOC) sind. Der erlaubte VOC-Gehalt ist in der europäischen Decopaint Richtlinie RL 2004/42/EG festgelegt. Diese Farben erfüllen ebenfalls Mindestanforderungen in Bezug auf die Gebrauchstauglichkeit (Nassabriebbeständigkeit besser als Klasse 3 und Kontrastverhältnis besser als Klasse 3). Die genauen Angaben hierfür entnehmen Sie bitte dem technischen Datenblatt der Produkte.
 
Kategorie D bezeichnet wasserverdünnbare Farben, die aromatenfrei und kennzeichnungsfrei gemäss aktueller Schweizer Chemikaliengesetzgebung sind. Diese Farben erfüllen Mindestanforderungen in Bezug auf die Gebrauchstauglichkeit (Nassabriebbeständigkeit besser als Klasse 5 und Kontrastverhältnis besser als Klasse 4). Für manche Anwendungen können diese Eigenschaften aber durchaus ausreichend sein.
 
Kategorie E bezeichnet wasserverdünnbare Farben, die lediglich aromatenfrei sind. Diese Farben erfüllen Mindestanforderungen in Bezug auf die Gebrauchstauglichkeit (Nassabriebbeständigkeit besser als Klasse 5 und Kontrastverhältnis besser als Klasse 4).
 
Kategorie F bezeichnet lösemittelverdünnbare Farben, die aromatenfrei, kennzeichnungsfrei gemäss aktueller Schweizer Chemikaliengesetzgebung und arm an flüchtigen organischen Stoffen (VOC) sind. Der erlaubte VOC-Gehalt ist in der europäischen Decopaint Richtlinie RL 2004/42/EG festgelegt. Die Gebrauchstauglichkeit ist hier nicht definiert. Für manche Anwendungen wie z.B. Schimmelsanierung benötigt man diese Art von Spezialfarben.
 
Kategorie G bezeichnet lösemittelverdünnbare Farben, die keine der genannten Anforderungen erfüllen. Für bestimmte spezielle Anwendungen haben diese Farben aber durchaus ihre Berechtigung.
 
Warum gelten die Kriterien der Gebrauchstauglichkeit nicht für alle Produkte?
Diese Kriterien gelten nur eingeschränkt für Leim-, Lehm- und Kaseinfarben, da diese Produkte technisch bedingt die Anforderungen nur teilweise erfüllen können. Diese Produkte sollten nicht für beanspruchte Flächen eingesetzt werden, sie eignen sich z.B. weniger beanspruchte Flächen wie Keller oder Decken. Aufgrund ihrer positiven ökologischen Eigenschaften werden diese Produkte in die Kategorie A- eingestuft, sofern sie die Anforderungen der Kategorie A bis auf die Gebrauchstauglichkeit erfüllen. Für Grundierungen muss die Gebrauchstauglichkeit ebenfalls nicht berücksichtigt werden.
 
Warum werden Leimfarben in der Kategorie A- eingestuft?
Leimfarben haben sehr gute ökologische Eigenschaften, da sie wasserverdünnbar und kennzeichnungsfrei sind und keine gefährlichen Stoffe enthalten. Allerdings sind Leimfarben nicht wasserfest und abriebbeständig, was sie in ihrer Gebrauchstauglichkeit gegenüber Produkten der Kategorie A herabstuft. Allerdings macht der Einsatz einer Leimfarbe auf weniger beanspruchten Flächen durchaus Sinn.
 
Warum werden Kalkfarben trotz der Kennzeichnung mit Gefahren-Symbolen in die Kategorie A- eingestuft?
Kalkfarben sind mit den H-Sätzen 314, 315, 318, 319 oder 335 gekennzeichnet. Diese beziehen sich auf den Arbeitsschutz und sind nicht relevant für die Umwelt oder das Innenraumklima. Zudem sind Kalkfarben nur für die Anwendung durch berufliche Verwender vorgesehen, die mit den nötigen Arbeitsschutzmassnahmen vertraut sind. Die Arbeitsschutzmassnahmen sind im Sicherheitsdaten-blatt der Produkte zu finden und sollten in jedem Fall beachtet werden.
 
Welche Oberflächen kann ich mit Produkten der Kategorie A- beschichten?
In die Kategorie A- werden Leim-, Lehm- und Kaseinfarben eingeteilt. Diese Produkte haben sehr positive ökologische Eigenschaften, allerdings eine eingeschränkte Gebrauchstauglichkeit, da sie in der Regel nicht gut nassabriebbeständig sind. Deshalb eignen sich diese Farben für das Beschichten von Flächen wie z.B. Decken und Oberflächen, die häufiger renoviert werden müssen. Leimfarben z.B. lassen sich einfach wieder abwaschen.
 
Sollte ich Malerarbeiten nur noch mit Farben der Kategorie A ausführen?
Nein, die Produkte jeder Kategorie haben ihre Berechtigung. Für das Streichen einer normalen Innenwand eignet sich ein Produkt der Kategorie A. Wenn es aber um spezifische Anforderungen hinsichtlich Glanzgrad, Isolierfähigkeit oder anderen speziellen Eigenschaften geht, hilft ein A-Produkt oft nicht weiter. Für solche Spezialfälle haben auch Produkte der anderen Kategorien durchaus ihre Berechtigung.
 
Was kann passieren, wenn ich ein F- oder G-Produkt einsetze?
Produkte der Kategorien F oder G enthalten Lösemittel. Diese verdunsten beim Trocknen der Farbe und gelangen in die Raumluft. Lösemittel belasten die Raumluft und die Umwelt und können gesundheitsschädlich sein. Produkte der Kategorie F enthalten im Gegensatz zur Kategorie G keine aromatischen Lösemittel. Sie  sind deshalb weniger geruchsintensiv und etwas besser umwelt- und gesundheitsverträglich. Beim Umgang mit lösemittelhaltigen Farben ist das Tragen von Handschuhen empfohlen, um den Hautkontakt mit Lösemitteln zu vermeiden. Zudem sollten die Räume ausreichend lange gelüftet werden, bevor man sie wieder benutzt.
 
Für welche Anwendungen macht ein Produkt der Kategorie F Sinn?
Lösemittelhaltige Farben wie die der Kategorie F machen für spezielle Anwendungen durchaus Sinn. Ein wichtiges Anwendungsgebiet sind lösemittelhaltige Mattfarben mit isolierenden Eigenschaften. In einigen Fällen müssen lösemittelhaltige Grundierungen eingesetzt werden um den Untergrund sicher zu festigen. Daneben gibt es weitere spezielle Produkte, in denen auf einen gewissen Anteil an Lösemittel aus technischen Gründen nicht verzichtet werden kann.
 
Ich möchte Produkte ohne chemische Konservierungsstoffe. Gibt es solche Produkte mit der Umwelt-Etikette?
Viele Produkte der Kategorie A enthalten keine chemischen Konservierungsstoffe. Insbesondere Silikatfarben und Dispersionssilikatfarben können ohne Konservierungsstoffe hergestellt werden. Auch Kalkfarben enthalten keine Konservierungsstoffe. Lösemittelhaltige Produkte enthalten ebenfalls keine chemischen Konservierungsstoffe, aber dafür organische Lösemittel (VOC).
 
Ich möchte möglichst keine gefährlichen Produkte verwenden. Gibt es für alle Anwendungsbereiche entsprechend eingestufte Produkte?
Für die meisten Anwendungsbereiche gibt es Produkte, die keine gefährlichen Inhaltsstoffe enthalten. Allerdings gibt es Ausnahmefälle wie z.B. die Schimmelsanierung, wo der Einsatz von lösemittelhaltigen Produkten Sinn macht. Der Ersatz durch ein wasserverdünnbares Produkt kann in einem solchen Fall schwierig oder auch unmöglich sein.
 
Ich muss Wasserflecken isolieren, welche Produkte kann ich verwenden?
Es gibt gut funktionierende wasserverdünnbare Isoliergrundierungen und –farben. Ein Fachmann sollte den Untergrund vorher beurteilen und eine Einschätzung machen. In einigen Fällen kann der Einsatz lösemittelhaltiger Produkte sinnvoll sein.
 
Meine Wohnung ist durch Tabakqualm stark verschmutzt worden. Welche Produkte sind geeignet?
In vielen Fällen sind wasserverdünnbare Isolierfarben eine gut funktionierende Lösung. Der Fachmann wird aufgrund der Untergrundbeurteilung das optimale Produkt bestimmen.
 
Mein Maler besteht bei der Renovation meiner Wohnung auf die Verwendung einer lösemittelhaltigen Mattfarbe der Kategorie F. Kann ich verlangen, dass er ein Produkt der Kategorie A einsetzt?
Fragen Sie Ihren Maler nach den Gründen für den Einsatz. Manchmal ist der Untergrund so uneinheitlich beschaffen oder es liegen bereits viele Schichten alter Farben vor, dass es Sinn macht ein Produkt der Kategorie F zu verwenden. Bei normalen Untergründen ohne spezielle Untergrundprobleme können häufig Produkte der Kategorie A eingesetzt werden.
 
Sind Produkte der Kategorie A wesentlich teurer als Produkte der Kategorie B oder C?
Diese Frage kann leider nicht pauschal beantwortet werden. Bitte informieren Sie sich bei Ihrem Maler oder Farbenfachhändler.
 
 

Glossar

 

Wasserverdünnbar 
=> Wasser wird als Löser und Verdünner eingesetzt
 
Lösemittelverdünnbar  => Organische Lösemittel werden als Löser und Verdünner eingesetzt
 
VOC = Volatile organic compound => flüchtige organische Verbindung
 
SVOC = Semi volatile organic compound => schwerflüchtige organische Verbindung
 
Sensibilisierende Stoffe  => Substanzen, die im Immunsystem Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Die Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems nennt man allergische Reaktion.
 
Umweltgefährliche Stoffe  => Stoffe oder Zubereitungen, die selbst oder deren Umwandlungsprodukte geeignet sind, die Beschaffenheit des Naturhaushaltes, von Wasser, Boden oder Luft, Klima, Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen derart zu verändern, dass dadurch sofort oder später Gefahren für die Umwelt herbeigeführt werden können.
 
CMR-Stoffe => Cancerogene (krebserregende), mutagene und reproduktionstoxische (erbgutschädigende) Stoffe
 
Kennzeichnungsfrei  => Kennzeichnungsfrei gemäss aktueller Schweizer Chemikaliengesetzgebung bedeutet, dass die Substanz nicht durch Gefahrensymbole gekennzeichnet werden muss.
 
ppm = parts per million => Der englische Ausdruck parts per million (Deutsch: Teile von einer Million) steht für die Zahl 10−6 und wird in der Wissenschaft für den millionsten Teil verwendet, so wie Prozent (%) für den hundertsten Teil steht. Diese Gehaltsangabe wird für sehr kleine Anteile verwendet.
 
Aromaten  => Organische Verbindungen mit mindestens einem aromatischen Ring in der Strukturformel. Aromatische Lösemittel (z.B. Benzol, Toluol, Xylol) sind gesundheitsschädigend bei Aufnahme über Haut und Atemwege und wassergefährdend.
 
Nachwachsende und mineralische Rohstoffe  => Organische Rohstoffe aus land- und forstwirtschaftlicher Produktion oder mineralische (anorganische) Rohstoffe aus Mineralien und Gesteinen, die in der Natur vorkommen und Wasser. Diese Rohstoffe stehen in praktisch unerschöpflicher Menge zur Verfügung.
 
Gebrauchstauglichkeit  => Die Gebrauchstauglichkeit beschreibt die Dauerhaftigkeit und den Materialverbrauch einer Farbe. Für Wandfarben sind die Eigenschaften der Nassabriebbeständigkeit für die Dauerhaftigkeit und das Kontrastverhältnis für den Materialverbrauch ausschlaggebend (s. unten).
 
Nassabriebbeständigkeit  => Die Reinigungsfähigkeit mit einem feuchten Schwamm. Gemessen wird der Abrieb einer Farbe, wenn insgesamt 200 Mal mit einem genau definierten feuchten Flies über die Farbe hin und her gescheuert wird. Die Norm 13300 unterscheidet 5 Klassen, wobei die Klasse 1 das beste Ergebnis darstellt und die Klasse 5 das Schlechteste. Empfehlenswert sind Wandfarben mit einer Nassabriebfestigkeit der Klasse 2 oder besser vor allem in stark beanspruchten Räumen, wie z.B. Flur, Küche, Badezimmer oder Kinderzimmer.
 
Kontrastverhältnis  => Die Deckkraft der Farbe bestimmt, ob Sie eine Farbe einmalig oder mehrfach auftragen müssen, um eine vollständige Abdeckung des Untergrundes zu erhalten. Zur Bestimmung der Deckkraft wird eine bestimmte Schichtstärke an Farbe auf eine Kontrastkarte (Schwarz-Weiss-Karte) aufgetragen. Nach definierter Trocknungszeit wird das Kontrastverhältnis zwischen dem weissen und dem schwarzen Untergrund gemessen. Die Norm 13300 teilt die Deckkraft in 4 Klassen ein, wobei die Klasse 1 das beste Qualitätsniveau darstellt. Das Kontrastverhältnis wird im Fall der Umwelt-Etikette bei einem vorgegeben Verbrauch von 7.5 m2/l ermittelt.
 
Topfkonservierung  => Wässrige Farben sind anfällig für den Befall durch Mikroorganismen. Um einem Befall bei der Lagerung im Gebinde („Topf“) vorzubeugen, setzt man der Farben Biozide zu.
 
Biozide => Hochwirksame Chemikalien, die das Wachstum von Mikroorganismen verhindern.
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